Artikel · Alka Celić

ESG-Manager werden: Welche Kompetenzen KMU intern aufbauen sollten


Von Alka Celić21. August 20264 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Ein interner ESG-Manager braucht heute vor allem drei Dinge: solide Zahlenkompetenz, ein Verständnis für Prozesse und Managementsysteme sowie die Fähigkeit, zwischen Geschäftsführung, Fachabteilungen und externen Anfragen zu vermitteln. Da regulatorischer Druck aktuell abnimmt, zählt weniger reines Gesetzeswissen als die Fähigkeit, Nachhaltigkeit mit belastbaren Daten und interdisziplinärem Denken im Alltag zu verankern. Seminare und Workshops können diesen Kompetenzaufbau gezielt beschleunigen, ersetzen aber keine kontinuierliche Praxis.

Warum sich das Rollenprofil des ESG-Managers gerade verändert

Nachhaltigkeit ist kein Hype-Thema mehr, das sich mit einer Hochglanzbroschüre erledigen lässt. Gleichzeitig ist der regulatorische Druck spürbar zurückgegangen: Fristen wurden verschoben, Berichtspflichten vereinfacht, politische Prioritäten haben sich verlagert. Das klingt nach Entlastung, bedeutet für ESG-Manager in KMU aber vor allem eines: Sie müssen sich jetzt stärker mit Zahlen und Ergebnissen bewähren, weil das Gesetz allein nicht mehr als Argument reicht.

Wer heute intern für ESG verantwortlich ist, muss der Geschäftsführung erklären können, warum eine Maßnahme sich lohnt, nicht nur, dass sie vorgeschrieben ist. Das verändert das Anforderungsprofil deutlich: weg von reiner Regelkenntnis, hin zu mehr Struktur, mehr Verbindung zu anderen Fachbereichen und einem klaren Blick für Wirtschaftlichkeit.

Was ein interner ESG-Manager heute können muss

Ein tragfähiges Kompetenzprofil für den internen ESG-Manager in einem KMU umfasst typischerweise:

  • Grundverständnis der doppelten Wesentlichkeitsanalyse: um zu erkennen, welche wo man den Hebel ansetzen kann. Und zwar für die Nachhaltigkeit aber auch für sein eigenes Geschäftsmodell. Stichwort: Risikoanalyse.
  • Datenkompetenz: Kennzahlen sauber erheben, plausibilisieren und in Berichten wie dem VS-Bericht nachvollziehbar darstellen. 
  • Prozessdenken: wissen, wer welche Daten wann liefert und wie ESG-Prozesse in bestehende Managementsysteme einfließen, statt als isoliertes Parallelprojekt zu laufen.
  • Interdisziplinäre Kommunikation: zwischen Einkauf, Produktion, Vertrieb und Geschäftsführung übersetzen können, denn Nachhaltigkeit betrifft nie nur eine Abteilung.
  • Umgang mit externen Anfragen: Kundenfragebögen, Bankenanfragen und Lieferantenbewertungen strukturiert und ohne Dauerstress beantworten. Übrigens in Zeiten von EmCo, PPWR und DPP ziemlich wichtig! 

Diese Kompetenzen lassen sich nicht an einem Wochenende erwerben. Aber sie lassen sich Schritt für Schritt gezielt aufbauen. 

Weniger Gesetzesdruck, mehr Struktur: Was das für die Rolle bedeutet

Paradoxerweise wird die Arbeit von ESG-Managern durch den Rückgang der Regulatorik nicht einfacher, sondern anspruchsvoller. Ohne den äußeren Druck einer Frist müssen interne Argumente überzeugen. Das bedeutet konkret: mehr Struktur in der Priorisierung, klarere Verantwortlichkeiten und ein Controlling, das Fortschritt sichtbar macht und zwar nicht nur für Prüfer, sondern für die eigene Geschäftsführung.

Gerade hier zeigt sich, warum interdisziplinäres Arbeiten so wichtig geworden ist. Ein ESG-Manager, der nur Berichtspflichten kennt, aber nicht versteht, wie Einkaufsentscheidungen oder Produktionsprozesse funktionieren, wird es schwer haben, tragfähige Maßnahmen durchzusetzen. Wer sich beispielsweise mit dem Transitionsplan im eigenen Unternehmen auseinandersetzt, merkt schnell: Das ist kein reines Nachhaltigkeitsthema, sondern betrifft Investitionsplanung, Technik und Finanzierung gleichermaßen.

Wie Seminare und Workshops den Kompetenzaufbau unterstützen können

Seminare sind kein Ersatz für praktische Erfahrung, aber ein wirksames Werkzeug, um Wissenslücken gezielt zu schließen und eine gemeinsame Sprache im Unternehmen zu schaffen. Sinnvoll sind sie besonders dort, wo:

  • mehrere Personen aus unterschiedlichen Abteilungen ein gemeinsames Grundverständnis für ESG-Themen brauchen,
  • ein neu benannter ESG-Manager schnell einen strukturierten Überblick statt Einzelrecherche benötigt,
  • konkrete Methoden wie die Wesentlichkeitsanalyse oder der Umgang mit Kundenfragebögen praxisnah eingeübt werden sollen.

Ein gut aufgebautes Seminar ersetzt nicht die individuelle Begleitung bei komplexen Fragestellungen, schafft aber die Grundlage, auf der interne ESG-Manager selbstständig weiterarbeiten können. In Kombination mit punktueller externer Begleitung, etwa in Form eines Sparrings, entsteht so eine tragfähige Struktur, die nicht bei jeder neuen Fragestellung von vorne beginnt.

Interner ESG-Manager oder externe Begleitung – oder beides?

Viele mittelständische Unternehmen und Organisationen stehen vor der Frage, ob sie eine interne Stelle aufbauen oder auf externe Unterstützung setzen sollten. Die ehrliche Antwort lautet meist: beides, in unterschiedlichen Rollen. Ein interner ESG-Manager kennt das Tagesgeschäft, die informellen Wege und die Unternehmenskultur. Das kann keine externe Person leisten. Gleichzeitig profitieren interne Verantwortliche stark von einem Blick von außen, wenn es um fachliche Auslegung, Priorisierung oder die Absicherung eigener Entscheidungen geht. Mehr zu dieser Aufgabenteilung findet sich im Beitrag zu externen Nachhaltigkeitsbeauftragten für KMU.

Auch beim Thema Berichtserstellung zeigt sich dieses Zusammenspiel deutlich: Der interne ESG-Manager sammelt und pflegt die Daten im Alltag, während eine externe Qualitätssicherung prüft, ob der VS-Bericht tatsächlich hält, was er verspricht. Für einen Rahmen orientieren sich viele Unternehmen an anerkannten Standards, etwa an den Vorgaben der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG), die die europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards mitentwickelt.

Key Takeaways

  • ESG-Manager müssen sich heute stärker mit Zahlen und Wirtschaftlichkeit beweisen, weil der regulatorische Druck nachgelassen hat.
  • Zentrale Kompetenzen sind Datenkompetenz, Prozessdenken, interdisziplinäre Kommunikation und ein Grundverständnis der Wesentlichkeitsanalyse.
  • Weniger Gesetzesdruck bedeutet nicht weniger Arbeit, sondern mehr Bedarf an interner Struktur und Priorisierung.
  • Seminare eignen sich gut, um Grundlagenwissen und eine gemeinsame Sprache im Unternehmen aufzubauen.
  • Interne ESG-Kompetenz und externe Begleitung ergänzen sich sinnvoll, statt sich gegenseitig zu ersetzen.

Häufige Fragen

Was macht ein ESG-Manager konkret in einem KMU?
Er oder sie identifiziert relevante Nachhaltigkeitsthemen, baut Datenprozesse für die Berichterstattung auf, beantwortet Kundenanfragen zu ESG-Themen und sorgt dafür, dass Maßnahmen mit messbaren Zielen im Unternehmen verankert werden.
Braucht man für die Rolle als ESG-Manager eine bestimmte Ausbildung?
Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung, aber ein solides Verständnis von Datenanalyse, Berichtsstandards und Unternehmensprozessen ist entscheidend. Seminare und Workshops können dieses Wissen praxisnah vermitteln.
Warum wird die Arbeit von ESG-Managern schwieriger, obwohl die Regulatorik nachlässt?
Weil ohne den äußeren Druck von Fristen und Gesetzen interne Argumente überzeugen müssen: ESG-Manager müssen ihre Maßnahmen zunehmend mit Zahlen und wirtschaftlichem Nutzen begründen statt mit gesetzlicher Pflicht.
Kann ein Seminar eine externe Nachhaltigkeitsbegleitung ersetzen?
Ein Seminar schafft eine gute fachliche Grundlage, ersetzt aber keine individuelle Begleitung bei komplexen oder unternehmensspezifischen Fragestellungen. Beide Formate ergänzen sich in der Praxis meist sinnvoll.